Zwischen Freiheit und Sehnsucht – Konzertabend mit Concentus21 und Angelo Sinapi

Am 21. März 2026 lud der Orchesterverein Concentus21 zu einem besonderen Konzertabend ein, der ganz im Zeichen großer klassischer Klangwelten stand. Um 19:30 Uhr betrat das Orchester die Bühne, geleitet vom Dirigenten Herbert Krenn, und versprach bereits mit dem Programm eine Reise von dramatischer Opernspannung bis hin zu lyrischer Romantik. Als Solist des Abends begeisterte der Flötist Angelo Sinapi, der dem Konzert eine außergewöhnliche Virtuosität und zugleich feinsinnige Musikalität verlieh.

Programm

Dirigent: Herbert Krenn

Ouvertüre zur Oper „Fidelio“ von Ludwig van Beethoven

Flötenkonzert Op. 86 in e-Moll von Franz Vinzenz Krommer (Solist: Angelo Sinapi)

Zugaben des Solisten:

Fantasie in D-Dur (Adagio) Op. 38 für Solo Flöte von Friedrich Kuhlau

Hummelflug von Nikolai Rimsky-Korsakov

8. Symphonie in h-Moll („Die Unvollendete“) von Franz Schubert

Zugabe: „Militär-Marsch Nr. 1″ von Franz Schubert

Programmheft
Konzertflyer

Den Auftakt bildete Ludwig van Beethovens Ouvertüre zur Oper „Fidelio“, die sofort eine gespannte Aufmerksamkeit im Saal entstehen ließ. Mit kraftvoller Energie, klarer Dramaturgie und präzisem Zusammenspiel setzte Concentus21 ein markantes erstes Zeichen. Herbert Krenn verstand es, die dramatischen Kontraste dieser Musik pointiert herauszuarbeiten – von den düsteren, beinahe bedrückenden Momenten bis hin zu den triumphalen, lichtvollen Passagen, die wie ein musikalisches Versprechen wirkten.

Im Anschluss stand mit dem Flötenkonzert op. 86 in e-Moll von Franz Krommer ein Werk am Programm, das den Solisten voll in den Mittelpunkt rückte. Angelo Sinapi überzeugte hier mit technischer Brillanz und einer bemerkenswerten Ausdruckstiefe. Besonders eindrucksvoll war sein warmer, klarer Ton, der sich mühelos über das Orchester legte, ohne jemals aufdringlich zu wirken. Die schnellen Läufe wirkten leicht und spielerisch, während die ruhigeren Passagen eine beinahe gesangliche Qualität entfalteten. Orchester und Solist fanden dabei zu einer ausgewogenen Balance, die das Konzert zu einem musikalischen Dialog werden ließ.

Der begeisterte Applaus ließ nicht lange auf sich warten – und Angelo Sinapi bedankte sich mit gleich zwei Zugaben. Zunächst erklang die Fantasie D-Dur op. 38 für Solo-Flöte von Friedrich Kuhlau, die den Flötisten ganz allein auf der Bühne zeigte. Hier wurde besonders deutlich, wie nuancenreich Sinapi phrasiert und wie fein er Dynamik und Klangfarbe gestaltet. Die zweite Zugabe brachte dann nochmals eine neue Energie in den Saal: „Der Hummelflug“ von Rimsky-Korsakov, diesmal gemeinsam mit dem Orchester. Rasend schnell, präzise und dennoch musikalisch kontrolliert – ein virtuoser Höhepunkt, der das Publikum hörbar mitriss.

Nach diesen beiden Zugaben folgte eine Pause, in der die besondere Atmosphäre des Abends im Foyer spürbar nachklang. Gespräche über das Gehörte, spürbare Begeisterung und erwartungsvolle Spannung begleiteten den Übergang in die zweite Konzerthälfte.

Mit Franz Schuberts Symphonie Nr. 8 in h-Moll („Die Unvollendete“) kehrte das Konzert schließlich in eine tiefere, nachdenklichere Klangwelt zurück. Concentus21 ließ diese berühmte Symphonie mit großer Sensibilität erklingen. Die dunkle Grundstimmung, die melancholischen Melodiebögen und die dramatischen Ausbrüche wirkten eindringlich und gleichzeitig fein abgestimmt. Herbert Krenn führte das Orchester mit ruhiger Hand durch die musikalischen Spannungsfelder und schuf einen Klang, der gleichermaßen transparent wie emotional dicht war. Gerade in den leisen Momenten entstand eine berührende Intensität, die den Saal förmlich still werden ließ.

Der langanhaltende Applaus nach Schuberts Symphonie zeigte, wie sehr dieser Teil des Programms das Publikum bewegt hatte. Als Zugabe wählte Concentus21 schließlich Schuberts Militär Marsch Nr. 1, ein Werk, das mit rhythmischer Klarheit und markanter Energie einen lebendigen Schlusspunkt setzte. Gerade in einer Zeit, in der Begriffe wie „Militär“ unweigerlich an die aktuelle Weltlage erinnern, wirkte diese Zugabe nicht als martialischer Kommentar, sondern vielmehr als musikalisches Zeitdokument – schwungvoll, traditionsreich und zugleich mit einer gewissen Distanz zur Gegenwart. So fand der Abend einen Abschluss, der nachdenklich stimmen konnte, aber dennoch einen hellen, geordneten Ausklang bot.

So endete ein Konzertabend, der in seiner Dramaturgie klug gestaltet war: Beethoven eröffnete mit dramatischer Wucht, Krommer und die Zugaben stellten die Virtuosität der Flöte in den Mittelpunkt, und Schubert führte schließlich in die Tiefe der romantischen Klangsprache. Concentus21, Herbert Krenn und Angelo Sinapi boten gemeinsam ein eindrucksvolles Konzerterlebnis, das dem Publikum im Veranstaltungszentrum Rudolfsheim sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben wird.

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