Gerhard Deiss, Violine

Ein paar Fragen an: Gerhard

Als Amateurorchester haben wir Mitglieder in fast allen Altersstufen, verschiedener Nationalitäten und mit den unterschiedlichsten beruflichen Hintergründen. Ein solches Mitglied, bei dem nicht nur der musikalische Werdegang, sondern auch der berufliche ein eigenes Interview Wert wäre, ist Gerhard. Er war Diplomat, ist Schriftsteller, Komponist und Musiker. Wer mehr über seine anderen Aktivitäten erfahren möchte, dem sei als Startpunkt der entsprechende Wikipedia Artikel ans Herz gelegt. Hier soll es vorrangig um die Musik gehen.

Name: Gerhard

Instrument: Violine

Gerhard, Du bist musikalisch sehr vielseitig unterwegs. Du spielst neben Geige auch Klavier und Du komponierst. Wie war Dein Weg zur Musik?

Ich spiele seit dem 8. Lebensjahr Klavier. Auch während der über 20 Jahre, die ich beruflich im Ausland verbracht habe, hat mich das Klavier immer begleitet. Später, vor etwa 30 Jahren, kam dann die Violine hinzu. Besonders gerne mache ich Kammermusik (hauptsächlich vom Klavier aus) oder Liedbegleitung.

Eine besonders schöne Erfahrung war aber auch das Spielen in einem Orchester. Seit 20 Jahren bin ich Mitglied des Kammerensembles Jedlesee, das vor allem Messen aufführt. 2015 wurde ich Mitglied des Concentus21 und genieße dort das Erlebnis, in einem größeren Orchester mitwirken zu können.

Welchen Stellenwert nimmt die Musik insgesamt in Deinem Leben ein? Gehst Du auch privat in die Oper und ins Konzert?

Die Musik war für mich stets ein wichtiger Bezugspunkt neben meinem früheren Beruf als Diplomat. Allerdings sind die Oper- und Konzertbesuche in den letzten Jahren seltener geworden, da das aktive Musizieren stark zugenommen hat.

Du komponierst ja auch, was doch eher außergewöhnlich ist. Wie kam es dazu und woher kommt Deine Inspiration?

Bereits im Gymnasium begann ich – angeregt von meinem damaligen Musikprofessor, Heinz Kratochwil, der selbst ein erfolgreicher Komponist war – mit einigen Kompositionen. Nach der Matura folgten drei Semester Komposition an der damaligen Akademie für Musik (Anmerkung: die heutige mdw) bei Prof. Neumann. Nach einer 40 jährigen Pause, vor etwa 10 Jahren, begann ich dann wieder mit dem Komponieren und konnte auch einige Werke öffentlich aufführen lassen, zuletzt das 2. Streichquartett durch das Aronquartett.

Ich komponiere hauptsächlich vom Klavier aus, die Notationsprogramme – ich arbeite mit Finale – erleichtern zudem Vieles, wenn ich das mit meinen Kompositionsversuchen vor 50 Jahren vergleiche. Ich habe auch den Eindruck, dass die damalige zeitgenössische Musikszene (mir scheint vor allem in Österreich und Deutschland, anders als etwa im pragmatischeren angloamerikanischen Raum) viel dogmatischer war als heute, wo eine gewisse größere Bandbreite an Stilen toleriert wird. Über die 2. Wiener Schule bin ich wahrscheinlich nicht viel hinausgekommen, aber ich fühle mich jetzt frei, eine mir passend erscheinende Musiksprache zu wählen.

Es gibt viele tolle Musiker und Komponisten. Wenn Du auf eine einsame Insel nur die Musik einer bestimmten Person (Komponist oder MusikerIn) mitnehmen dürftest, für wen würdest Du Dich entscheiden und warum?

Eine schwer zu beantwortende Frage, denn es gibt zu viele großartige Komponisten (das gilt auch für MusikerInnen, ich gehöre aber keinem Fanclub an). Wahrscheinlich würde ich mich für J.S. Bach entscheiden. Dazu passt auch der Beethoven-Ausspruch “Nicht Bach, sondern Meer sollte er heißen. Wegen seines unendlichen, unerschöpflichen Reichtums an Tonkombinationen und Harmonien.”

Gerhard, lass uns über „unser“ Orchester sprechen. Was reizt Dich am Orchesterspielen und was macht für Dich unser Orchester den Concentus21 aus?

Das Spielen in der eigenen Stimmgruppe und das Zusammenspiel mit den anderen Instrumenten als Beitrag für das größere Ganze, unter der Leitung eines erfahrenen und mit den Werken bestens vertrauten Dirigenten, ist für mich jedes Mal eine besonderes  Ereignis. Das Orchester des Concentus21 weist ein hohes Engagement seiner Mitglieder auf, die verschiedenen Altersgruppen und Nationalitäten angehören und bestens miteinander harmonieren.

Was war Dein bisher schönster Moment / Konzert mit dem Concentus21?

Auch für mich ist die (österreichische Erst-)Aufführung der 2. Symphonie von Carl Löwe in besonderer Erinnerung.

Welches Stück würdest Du gerne mal mit dem Concentus21 zur Aufführung bringen?

Warum nicht auch eine der drei letzten Symphonien von Schubert? Aber zuerst sollten wir die 4. und 5. nachholen.
(Anmerkung: Die 4. und 5. Symphonie haben wir bereits geprobt, aber nicht aufgeführt, da die Konzerte aufgrund der Pandemie abgesagt werden mussten.)

Es ist jetzt gerade Anfang Januar 2021 und wir alle hoffen und wünschen uns ein gutes, neues Jahr. Was sind Deine Wünsche für das Orchester und für Kunst und Kultur im neuen Jahr?

Dem Orchester wünsche ich nach einer einjährigen Pause einen baldigen neuen Start und erfolgreiche Konzerte! Kunst und Kultur generell waren ja die besonders Leidtragenden der Anti-Covid Maßnahmen, vor allem im professionellen Bereich. Aber auch die Amateure haben das letzte Jahr sicherlich als große Durststrecke empfunden.

Das Interview führte unsere Konzertmeisterin.